Gemälde in Bild und Wort

Hebell-14Titel:
Selbstportait mit Floß
Maße:
99 cm x 130 cm
Künstler / Ort / Datum :
C. Hebell, Berlin 1998

Material Bild / Rahmen:
Öl auf Leinwand

Beschreibung:

Hier hat der Maler sich nun einmal selbst zu porträtieren versucht. Man sieht ihn auf einem notdürftig zusammengezimmerten Floß, mit dem er von Tahiti aufgebrochen war, wo er  es  unternommen hatte, nach den Spuren des von ihm bewunderten Meisters zu forschen. Von dem großen Franzosen waren allerdings auf Tahiti kaum noch Spuren zu finden. Die fernen und angeblich so paradiesischen Eilande um Moa Moa sind durchaus nicht so einfach und preiswert, wie sie in den Touristikannoncen dargestellt werden. Auch hatten die einheimischen Damen keinerlei  Ähnlichkeit mit den Madonnendarstellungen, wie sie der Meister in seiner Alternativkunst so genial verewigte. Stattdessen fand  sich auf Tahiti eine unmäßige Anzahl von Freizeitgestalten, die in oft faltigen Turnhosen umherschlenderten. Nicht wenige ihrer Begleiterinnen litten unter Fettsucht. Zehnstöckige Ozeanriesen, aus deren Schloten unaufhörlich Dampf quoll, versperrten den Blick aufs Meer. Auf einer Mole in der Nähe des Hafens fand er sich vor einer Statue von Marlon Brando wieder. In einem Billigbistro schloss sich ihm ein selbsternannter Führer an und erbot sich, ihn zu einem angeblichen Sohn des Meisters zu führen, der ja auf der Insel mehr als eine Frau gehabt haben soll. Ob es sich bei dem etwa neunzigjährigen Greis mit endlosem Bartwuchs wirklich um einen Sohn des berühmten Impressionisten handelte, ließ sich nicht eruieren. Allerdings wies er nicht die geringste Ähnlichkeit mit seinem vermeintlichen Vater auf. Er sprach ein unverständliches Französisch, das stoßartig zwischen seinen Zahnstummeln hervorquoll und behauptete sein Erzeuger habe mit Zahnstochern gehandelt.

Kurz nach diesem Encounter ging unserem Maler das Geld aus und er sah sich gezwungen, mit einem Floß,  das aus aus dem Wasser gefischten Baumstämmen leidlich zusammengefügt war, die Rückreise über den Pazifischen Ozean anzutreten. Dies stellte sich wie manches andere in seinem Leben als  schlecht kalkuliertes Risiko heraus. Kurz bevor die große weiße Woge (siehe Bild) mit ihrer sich auftürmenden Gischt ihn und sein morsches Floß unter sich begrub, gelang es ihm noch, seine Initialien links auf dem Bild zu verewigen. Das Meer, das wir unter dem Floß erblicken, soll an diesem Tag voller Haie gewesen sein. Infolgedessen dürfte er nicht lange gelitten haben.

 

Preis auf Anfrage: Tel. 030-323346 (Berlin) E-Mail: claus.hebell@gmx.de

 

 

 

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Texte: © Claus Hebell

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