Gemälde in Bild und Wort

Hebell-Klein-18Titel:
Old Man River
Maße:
45 cm x 62 cm
Ort / Datum :
Berlin 2012
Material Bild / Rahmen:

Öl auf  Fotokarton, auf  Holzrahmen gezogen

Beschreibung: 

Old Man River, wie alle ihn nannten, lebte unten am Fluss. Der Strom war hier so breit, dass man das andere Ufer von dort, wo er oft stand, kaum noch erkennen konnte. Der Mann wusste nicht mehr genau, ob er immer dort unten gelebt hatte oder vorher woanders.

Die Gegend war ein früheres Industriegebiet. Kaianlagen erstreckten sich den Fluss entlang auf einer Seite. In der Nähe ragten rostige Krahnarme  in die Luft, die früher einmal etwas transportiert hatten.

Lange begriff der  Mann nicht, was der Maler, der mit seinen Utensilien huckepack bei ihm vorsprach, von ihm wollte. Von der Portaitiererei und ihrer Sphäre hatte er noch nie etwas gehört und wollte auch nichts weiter davon wissen. Er sah nicht ein, welchen  Sinn ein Abbild seiner Physiognomie für irgend jemand haben könnte. Kunst oder wie das hieß, sei überflüssig, weshalb sie in den Fluss gehöre.

Der Maler zeigte kein Interesse, dieser Ansicht gleich zu widersprechen. Schließlich wollte er sein Modell, bevor die Arbeit anfing, nicht unnötig verärgern. „Wann sind denn deine Striche fertig?“

Obgleich man den Mann vom Fluss an manchen Tagen stundenlang am Wasser stehen sehen konnte, in das er eine Angel hielt, erwies er sich bei dieser kurzen Sitzung mit dem Maler als nicht sonderlich geduldig. Mitten drin sprang er auf und begann in der winzigen aus Brettern bestehenden Kabine einen Spirituskocher aufzustellen, hielt einen verbeulten Blechnapf über die Flamme und fing an, einen Fisch zu braten, der einen nicht eben angenehmen Geruch verbreitete.

Der Maler brauchte einige Zeit, um sein Modell zu dazu zu bringen, dass es sich wieder setzte, bis das Gemälde halbwegs fertig war. Er wurde aufgefordert  mitzuessen, lehnte aber dankend ab, da es kein Besteck zu geben schien und der Mann vom Fluss umstandslos mit einen zugespitzten Ast den Fisch aufspießte und davon abbiss.

Anschließend ließ er sich auf keine Weise dazu bringen, weiter als Modell zu sitzen. Vielmehr begann er jetzt zu singen, holte aus einem irgendwo herausgerissenen Spind eine seltsame Gummiuniform, die oben in einen riesigen Metallkopf mit einem brillenartigen Verschluss auslief, und zwängte sich hinein. „Was soll denn das, um Himmels Willen“ fragte der Maler völlig konsterniert. “ Geh jetzt zum Wrack.“

„Zum Wrack? Was für ein Wrack?“  “ Na ja, das Wrack, du weißt schon“. „Hier gibt es weit und breit kein Wrack“, rief der Maler. Aber da war der Mann schon aus der Kabine heraus und sich kurz umdrehend  sagte er, was unter seiner überdimensionalen Maske kaum noch zu verstehen war: “ Das Wrack-das ist das große Los. …“ Heiliger Bimbam, dachte der Maler und lief so schnell er konnte, aus der Kabine heraus, um zu sehen, ob der Mann in diesem Aufzug tatsächlich im Wasser verschwinden würde.

Er kam gerade noch rechtzeitig, um den überdimensionalen Helm im Wasser untertauchen zu sehen. Verwirrt und durchnässt tappte der Maler nach Hause und gab sich  Mühe, das Gesicht des Mannes mit dem aufgespießten Fisch aus der Erinnerung fertig zu malen.

 

Preis auf Anfrage-Telefon :030-3233426 (Berlin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text plus Circumstance

Text plus Circumstance

Texte: © Claus Hebell

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