Gemälde in Bild und Wort

Hebell-Klein-16Titel:
Der Riese und die Maus
Maße:
45 cm x 64 cm

Ort / Datum :
Berlin 2011
Material Bild / Rahmen:

Öl auf Fotokarton, auf Holzrahmen gezogen

Beschreibung:

In einem Schloss im Riesengebirge lebte ein Riese, dessen besondere Schnurre darin bestand, in seiner geräumigen Behausung überall absolute Ruhe haben zu wollen. Er hatte viele Schlachten durchlebt und der Lärm tönte immer noch in seinen Ohren.

Seine Schrulle ging so weit, dass er sich über jedes  Geräusch in seinen Räumen so aufregte, dass er eines  Tages ein absolutes Verbot gegen jede Art von Lärmbelästigung erließ. Jedes Geräusch, sei es absichtlich, sei es unabsichtlich erzeugt, galt künftig als Kapitalverbrechen.

Nach und nach entließ der Riese seine gesamte Dienerschaft, da er das Geklapper ihrer hölzernen Sandalen nicht mehr hören konnte, zuletzt entließ er auch noch seine Frau, denn ihre ewigen geräuschvollen Beschwerden störten sein Gehör entschieden.

Das Geräuschverbot fasste er in schriftlicher Form ab und verlas es mit Donnerstimme im Versammlungssaal des  Schlosses, in dem die Schwerter, die er von seinen Gegnern erbeutet hatte, an den Wänden befestigt waren. Allerdings befand sich außer ihm zu dieser Zeit schon niemand mehr im Schloss, sodass die Verlesung eigentlich sinnlos war.

Kaum hatte der Riese seine Proklamation beendet, als in einer fernen Ecke des  Raumes ein leises, aber unüberhörbares Piepsen ertönte. Der Riese erstarrte. Sofort stürzte er in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen sein musste. Allerdings fand er dort nichts, was auf die Quelle der Lärmbelästigung hätte schließen lassen. So beruhigte sich der Riese und glaubte zunächst, sich verhört zu haben, da sein Ohr auf Grund der absoluten Stille im Schloss vonTag zu Tag empfindlicher wurde.

Am Abend des gleichen Tages, als der Riese seine Mahlzeit genoss, die auf Grund des fehlenden Gesindes nur aus Rohkartoffeln bestand, hörte er das Qietschen aus einer andere Ecke des Raumes erneut. Er fuhr von seinem Sitz empor und stürzte in die Richtung des Lärms. Da der Raum schon im Dämmer lag, fiel er über einen Stuhl und zog sich eine schmerzhafte Hüftverletzung zu. Dessen ungeachtet stürmte er weiter und sah gerade noch den Schwanz einer Maus in einer Spalte des Schlossbodens verschwinden. Der Riese hielt sich die schmerzende Hüfte. „Verflucht“, dachte er,“ wenn ich dich erwische!“

Als er sich abends schlafen legte, und schon halb in Träumen war, hörte er wieder das charakteristische Quietschen der Maus, die offenbar in sein Schlafzimmer vorgedrungen war.Tagelang, wochenlang, verfolgte der Riese die Maus in den Räumen und Sälen seines Schlosses. Er stellte mit  Speck bestückte  Fallen auf, er lauerte  in Habachtstellung einen Hammer in der Hand in dem Winkel, aus dem das Quietschen zum ersten Mal zu hören gewesen war. Ohne Erfolg. Die Maus schien ihn zum Narren zu halten.

Eines Tages verließ der Riese für mehrere Tage sein Schloss. Er hatte gehört, dass in den Wäldern der Umgebung sich ein weißer Hirsch aufhielt, der ein probates Mal abgeben konnte. Der Riese schulterte die Armbrust, zog in den Wald und begegnete alsbald dem Hirsch, der vollkommen zahm zu sein schien, und ihn aus einiger Entfernung interessiert beäugte. Er tötete das Tier mit einem einzigen Schuss. Als er mit seiner Beute in das Schloss zurückkehrte und eben in die Küche treten wollte, hörte er drinnen das Gefiepe der Maus.

Sachte schlich er herzu und erblickte durch den Türspalt die bewusste Lärmstörung. Die Maus mit fünf oder sechs in seiner Abwesenheit offenbar erzeugten Kindern tanzte auf seinen Küchentisch und schien  sich an den Resten eines alten Brotes gütlich getan zu haben. Mit einem Satz, der ihn an seine schmerzende Hüfte erinnerte, sprang der Riese heran und grapschte die Maus in seine Faust, wo diese ein herzzerreißendes Quietschen ausstieß (Fortsetzung).

 

Preis auf Anfrage-Telefon: 030-3233426 (Berlin)

 

 

 

 

Text plus Circumstance

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Texte: © Claus Hebell

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